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BauerngutSimulationohnelogoZuschnitt

Simulation von Falko von Strauss, Blick nach Süden, Daten aus Presseveröffentlichungen, Stand Februar 2021

Das geplante Hochregallager mit einem Jumbojet zum Vergleich (Simulation von Falko von Strauss, Basis Lageplan aus dem Frühjahr 2020, Baukörper Stand März 2021)

   

Die Firma Bauerngut GmbH ist eine Tochter des Edeka-Konzerns Minden-Hannover. Sie betreibt u.a. ein Produktionswerk für Fleischprodukte am Westrand von Bückeburg, gelegen an den Straßen Weinberg und Hasengarten.

(fehlerhafte) Fotomontage der Edeka/Bauerngut GmbH vom Februar 21 (falsches Grundstück)

Zitat aus der SZLZ (Februar 2021) mit der Sicht der Firma Bauerngut, des Bürgermeisters und des Bauamtsleiters (Februar 2021) unsere Kommentare dazu kursiv und blau:

„Bauerngut hat am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs die Visualisierungen zum geplanten Neubau des Logistikzentrums südlich der B83 am Hasengarten Bückeburg gegenüber dem jetzigen Produktionsstandort vorgelegt. Außerdem wurden konkrete Größen des geplanten Neubaus genannt. Danach wird das Gebäude insgesamt circa 150 Meter lang und etwa 89 Meter breit. Die Höhe wird mit 26,5 Metern auf einer Länge von 110 Metern angegeben. Gebäudeteile rechts und links werden circa 13 Meter hoch. Und wie Geschäftsführer Klaus Jeinsen mit Blick auf entsprechende Vermutungen der Gegner des Neubaus klarstellte: Dort werde ein weiteres Zentrallager - auch für den Non-Food-Bereich -entstehen: „Wir werden an dem Standort nichts anderes tun als bisher.“ Es entstehe keine neue Betriebsstruktur.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Firmen Edeka/Bauerngut ist kontinuierlich intransparent: Angaben zu den Abmessungen und die Visualisierungen wechseln im Zeitablauf, einzelne Darstellungen widersprechen sich. So ist das Gebäude gegenüber den ersten Angaben zwar in der Höhe um 3,5 m reduziert, aber in Breite und Tiefe aber erheblich vergrößert worden. Niedrigere Gebäudeteile rechts und links gibt es nicht mehr, das Gebäude ist ein riesiger rechteckiger Quader geworden, der das Landschaftsbild allein durch schiere Größe bestimmen wird, Das hier ein Zentrallager für Fleisch und vegane Produkte für Norddeutschland entsteht, hat der Geschäftsführer bereits bestätigt. Die Bauerngut-Produkte sind nicht die einzigen, die dort gelagert werden sollen. Daher auch der massive LKW-Verkehr von und zum Lager: 106 pro Tag zuzüglich lediglich 12, die zwischen Bauerngut-Produktion und HRL pendeln sollen.


Die Visualisierungen und weitere Detailplanungen waren von Bauerngut bereits in der vergangenen Woche den Fraktionsspitzen der im Rat vertretenen Parteien sowie Bürgermeister und Verwaltung vorgestellt worden. Angesichts der heftigen Kritik an dem Bauvorhaben und der nach Ansicht der Kritiker mangelnden Transparenz des Unternehmens hatte die Politik auf eine öffentliche Präsentation der Pläne gedrängt.

Die von Edeka und Bauerngut vorgelegten Darstellungen sind der Öffentlichkeit lediglich als unscharfe Briefmarken vorgelegt worden. Ansichten wie im Nebel oder Bauten auf einem falschen Grundstück. Und jedesmal ist im Zeitablauf das Bauvolumen größer geworden. 

bauerngut nebel

HRL von der B83 aus gesehen (Präsentation von Edeka für den Rat, Regen, Dunst, Nebel)

Wie der Geschäftsführer erläuterte, seien die Kapazitätsgrenzen im Betrieb in Bückeburg erreicht oder bereits sogar überschritten: „Das Grundstück ist erschöpft.“ Daher sei der Bau eines Logistikzentrums mit Hochregallager dringend notwendig, zumal durch die Verlagerung der Logistik in den Neubau am alten Standort Kapazitäten für die Produktion frei werden würden, die Klaus Jeinsen, ebenfalls dringend benötigt werden. Durch den Neubau würden 80 neue Arbeitsplätze entstehen, mittelfristig sogar bis zu 230 neue Arbeitsplätze. Derzeit arbeiten am Standort Bückeburg rund 800 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze durch die Produktionserweiterung ebenfalls gesichert würden. Rund 100 Millionen Euro investiert Bauerngut in den Neubau.

80 Arbeitsplätze im Neubau, 150 Arbeitsplätze möglicherweise in der alten Betriebsstätte, das hört sich gewaltig an, bedeutet aber wohl eher wenige qualifizierte Jobs in Leitungsfunktionen aber viele Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich der Fleischindustrie oder sogar nur Werkvertragsnehmer. Die Stadtkasse würde allenfalls von der Lohnsteuer der hier wohnenden Arbeitnehmer profitieren. Gewinne fallen im Konzern und bei Bauerngut als Ergebnis der dort praktizierten steuerlichen Optimierung kaum an, zumal nach dem Neubau ganz erhebliche Abschreibungen möglich sind, die den Gewinn theoretisch für viele Jahre sogar bis auf Null drücken könnten. 

Nach Angaben der Unternehmenskommunikation der Edeka, Bauerngut ist eine 100-prozentige Tochter der Edeka Minden-Hannover, wird der Neubau der Lagerung und Kommissionierung von frischen, kühlpflichtigen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst, Käse und SB-Geflügel aus dem Bauerngut-Sortiment dienen. Zusätzlich sollen mit der Inbetriebnahmen auch regionale Lieferanten aus diesem Sortimentsbereich aufgenommen werden, die zurzeit direkt an den Einzelhandel liefern. Wie Jeinsen betonte, verarbeite Bauerngut ausschließlich deutsches Fleisch. 90 Prozent würden aus Norddeutschland kommen, also aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Non-Food oder sogar ein neues Zentrallager seien nicht geplant. Dazu sei die Fläche zu klein, außerdem mit seiner Kühlung zu wertvoll für Non-Food.

Es soll Kalkulationen geben, die erhebliche Anteile der geplanten Lagerfläche für externe Lieferanten angeben, das würde bedeuten, dass der Neubau eben doch ein neues Zentrallager für vegane und Fleischprodukte sein wird. Etwas anderes würde für Edeka auch keinen  betriebswirtschaftlichen Sinn ergeben. Dass die Fläche vorerst zu klein für ein wirkliches Zentrallager ist, muss die Planer bei Edeka und Bauerngut nicht beunruhigen. Der unbebaute Acker in Richtung Süden bis zur Landkreisgrenze könnte doch auch bebaut werden, wenn der Landschaftsschutz erst einmal aufgehoben ist. 

Auch dem Trend der Verbraucher hin zu vegetarischen und veganen Lebensmitteln komme Bauerngut mit dem Neubau nach, da auch hierfür weitere Kapazitäten geschaffen würden. Bereits heute würden zum Beispiel im Werk am Hasengarten rund 800 Tonnen Halumi-Käse verarbeitet. Auch vegane und vegetarische Lebensmittel würden angeliefert, kommissioniert und verteilt: Der Geschäftsführer: „Unser ganzer Maschinenpark ist so angelegt, dass wir auch diese Lebensmittel produzieren und verarbeiten können.“

Damit verändert sich der Charakter des Neubaus hin von einem Kühllager für Fleisch hin zu einem sog. Frischelager, in dem alle Arten zu kühlender Lebensmittel gelagert werden können. Nach einer Genehmigung des Baus durch die Stadt kann die Zweckbestimmung leicht in diesem Sinn verändert werden.

Wie das Unternehmen weiter ausführte, sind im heutigen Betrieb Logistik und Produktion eng verzahnt. Diese räumliche Nähe zum Produktionsbetrieb sei auch zukünftig für das neue Logistik-Zentrum wichtig und notwendig. „Der logistische Betrieb ist eng mit der Produktion verbunden. Mehrmals täglich wird kurzfristig entschieden, welche Rohware zuerst benötigt wird, um verschiedene Fleischwaren vorzubereiten. Da ist eine kurze Distanz zum Lager unerlässlich”, erklärte Jeinsen. Die räumliche Nähe ermögliche es außerdem, Synergien zu heben zwischen Produktion und Logistik hinsichtlich Technik, Qualitätssicherung oder Verwaltung.

Was ist eine kurze Distanz? Das Be- und Entladen der zwischen Zentrallager und Produktion pendelnden LKW ist zeitlich fixiert. Für einen alternativen Standort in Bückeburg, z.B. im Gewerbegebiet an der Kreuzbreite, ist die Fahrzeit über die B65 und die B 83 7 Minuten. Zwischen Betriebsstätte und dem derzeit geplanten Neubau beträgt diese ca. 1 Minute. Die Be- und Entladezeiten sind um ein Vielfaches länger, zumal die Ware ja auch auf dem Transport ohne Unterbrechung gekühlt werden muss. Es erscheint extrem unglaubwürdig, eine Differenz von 6 Minuten insgesamt je Transport als kritisch für die Produktion zu bewerten. Für Technik, Qualitätssicherung und Verwaltung gilt dies gleichermaßen, weil es inzwischen moderne Kommunikationsmittel gibt. 

Wie Jeinsen zum Verkehrsaufkommen sagte, fahren derzeit durchschnittlich 104 Lastwagen Bückeburg an. Da besser und effizienter gepackt werden kann, geht das Unternehmen von einer gleichbleibenden Anzahl von Anlieferungen aus. Zwischen neuem und altem Standort werden nach den Berechnungen durchschnittlich zwölf Lkw pendeln. „Alle diese Lkw kommen nicht in die Stadt hinein“, betonte Jeinsen.

Bei allen vorgeschlagenen alternativen Standorten kommt keiner der pendelnden LKW in die Stadt hinein. Im übrigen müssten weitere Vorschläge immer auch diese Bedingung erfüllen.

Zu den Planungen und der Kritik an der Zerstörung des Landschaftsbildes zwischen Hofwiesen und dem Wesergebirge wies Bauerngut darauf hin, dass durch eine nach Süden ausgerichtete Begrünung und eine dezent farbige Fassadengestaltung die beeinträchtigende Wirkung des neuen Logistik-Zentrums auf die Landschaft „bestmöglich minimiert„ werde. Werbliche Schriftzüge wie das Bauerngut-Logo würden nur in Richtung B83 und auch nur an der Außenwandfläche geplant, nicht über das Gebäude hinaus.

Die verschiedenen Visualisierungen der Firma Edeka Bauerngut und die von uns erstellten sprechen für sich. Von mal zu mal vergrößerte sich das Projekt durch Vergrößerung des Hochregallagers, zunächst wurde es an den falschen Ort gerückt, es wurden Tarnanstriche versucht. Es bleibt dabei, dass das Projekt an diesem sensiblen Punkt im Landschaftsschutzgebiet Bückeburg West in der Nähe zum Schlosspark, Naturschutzgebiet Hofwiesen und zum Mausoleum verheerende Auswirkungen auf Natur, Umwelt und die Menschen in Bückeburg haben wird. 

„Die Sorgen der Bückeburger hinsichtlich des Landschaftsbildes hat Bauerngut ernst genommen und eine adäquate Lösung gefunden“, sagte Bürgermeister Reiner Brombach. Bauerngut stehe von Anfang an in enger Abstimmung mit der Stadt. Bauerngut habe das Verfahren immer sehr transparent dargelegt. Die Stadt stehe in regelmäßigem Austausch zu neuen Sachständen und werde auch in die Planung selbst immer mit einbezogen. Der Bürgermeister: „Es entsteht ein neuer Baukörper in der Landschaft. Aber: Der Betrieb ist von herausragender Bedeutung für Bückeburg.„

Mit seiner Meinung steht der Bürgermeister (vielleicht mit Ausnahme einiger Mitarbeiter) wohl in Bückeburg weitgehend allein. Weder werden die Sorgen der Bückeburger ernst genommen, noch wurde eine adäquate Lösung vorgeschlagen. Ob Bauerngut transparent handelt (gegenüber der Stadt) ist nicht sicher zu bewerten, da die dortigen Verfahren ja gerade absolut intransparent verlaufen sind. Und ob Edeka offen kommuniziert, was am Hasengarten letztlich entstehen wird, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Die Bedeutung des Betriebes für die Stadt ist rein finanzieller Natur durch Lohn- und Gewerbesteuer sowie die vorhandenen Arbeitsplätze. Die regelmäßige Drohung der Konzerne, den Standort zu verlassen, wenn man nicht deren Vorstellungen folgt, ist hohl, wenn man das Investment bedenkt, welches Edeka Bauerngut im mittleren 3-stelligen Millionenbereich aufgeben müsste, wenn die Betriebsstätte geschlossen würde. Auch würde ein Aufbau eines vergleichbaren Produktionsbetriebes an anderer Stelle viele Jahre in Anspruch nehmen.

 

Bauerngut Simulation von Süden mit Google Earth (Falko von Strauss)

Bericht zur Pressekonferenz von Edeka, Bauamt und Bürgermeister vom 15.02.