Produktionsstandort platzt aus allen Nähten / „Ausweich-Quartier“ in Barsinghausen”

 

Die Schaumburg-Lippische Landeszeitung berichtete am 13.10.22 über neue Pläne von EDEKA/Bauerngut  für ein Logistikzentrum in Barsinghausen (Zitate in Anführungszeichen, Kommentare in blau):

 

“Bauerngut platzt am Standort Bückeburg aus allen Nähten – deshalb wird die Produktionstochter für Fleisch und Wurstwaren der Edeka Minden-Hannover Teile des Unternehmens gezwungenermaßen vorübergehend auslagern. Das teilte Bauerngut am Mittwoch mit.”

“In Barsinghausen (Region Hannover) hat Bauerngut eigenen Angaben zufolge ein rund 4.600 Quadratmeter großes Kühllager von der Aurelis Real Estate „zeitlich befristet angemietet“. 

 

Das anzumietende Lagergebäude umfasst insgesamt mehr als 16.000 m2!

 

“Ab September 2023 würden Bauerngut-Mitarbeiter in dem temporären „Ausweich-Quartier“     fertig produzierte Fleisch- und Wurstwaren kommissionieren. Das bedeutet, dass die fertige Ware von Bückeburg aus in das Kühllager in Barsinghausen geliefert, individuell für die einzelnen Märkte zusammengestellt und für die Auslieferung vorbereitet wird.

Heißt auch: Mitarbeiter werden pendeln, eine unbekannte Anzahl von Lastwagen wird zwischen Bückeburg und Barsinghausen Ware transportieren.”

Aufschlussreich ist hierbei, dass die Anmietung überhaupt erfolgt, denn bislang hat EDEKA/Bauerngut stets behauptet, dass die unmittelbare Nähe zwischen dem Produktionsstandort und dem Logistikzentrum zwingend sei. Wir haben stets die Meinung vertreten, dass Logistikzentren auch getrennt vom Produktionsstandort möglich sind und im Industriestandard auch so funktionieren. Es ist eben nicht zwingend, hierfür ein Landschaftsschutzgebiet zu opfern.
Erfreulich ist, dass die Anmietung erst ab September 2023 erfolgt, was bedeutet, dass der Mietvertrag mit einiger Sicherheit über einen längeren Zeitraum abgeschlossen ist und mit einer Eröffnung des Logistikzentrums im Landschaftsschutzgebiet vorher nicht gerechnet wird. Der Vermieter muss ja einiges an Mitteln in die Hand nehmen, um das Objekt für EDEKA/Bauerngut herzurichten und wird diese Investition über einen längeren Zeitraum abschreiben wollen. 

Die Zahl der Lastwagen, die pendeln müssen, ist seit der Bürgerversammlung mit EDEKA/Bauerngut  am 14.07.2021 bekannt: es sollten damals nur 12 LKW sein, die die Tagesproduktion des Fleischwerks im Logistikzentrum einlagern und Leergut zurück fahren. 

 

“Neben dem Platz für die Kommissionierung biete die neue Fläche in Barsinghausen genügend Raum zur Bevorratung von Verpackungsmaterial und weiteren Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, um so langfristiger planen zu können und sich von kurzfristigen Lieferengpässen und volatilen, also schwankenden, Logistikströmen unabhängiger zu machen, heißt es. Außer der Lagerfläche hat Bauerngut auch rund 330 Quadratmeter Büro- und Sozialflächen angemietet.”

 

Langfristige Planung, volatile Logistikströme, alles dies ist auf einmal an einem entfernten Standort machbar, wo es vorher zwingend auf eine Entfernung von 500 m zum Produktionsstandort ankam.

“Zurzeit setzt Aurelis die bisher leer stehende Kühlhalle wieder instand und stattet sie mit „klimafreundlicher Technik“ aus. Das Gebäude muss zunächst mit vier Laderampen und einer LED-Beleuchtung ausgestattet werden. Ferner müsse das Dach saniert werden, teilte die Leiterin der Unternehmenskommunikation, Aenne Spannuth, mit.”

 

Neue Laderampen, LED-Beleuchtung, klimafreundliche Technik, alles ist möglich auch an einem entfernten Standort. Von der Schließung der Produktion in Bückeburg oder der Entlassung von Mitarbeitern ist keine Rede mehr!

 

“Bauerngut hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach betont, dass die Kapazitäten am Produktionsstandort in Bückeburg mehr als ausgeschöpft seien, dringender Erweiterungsbedarf bestehe und mit dem Neubau eines Logistikzentrums eine dauerhafte und vor allem wirtschaftliche Lösung geschaffen werden müsse. „Bis zur Fertigstellung und Inbetriebnahme des Neubaus wurde nun mit der Anmietung der Fläche in Barsinghausen eine entsprechende Übergangslösung gefunden“, sagt Spannuth, die betont, dass die zeitweise kontrovers geführte Diskussion um das geplante Hochregallager in Bückeburg keine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt habe. Soll wohl heißen: Die Auslagerung von Teilen des Unternehmens solle nicht als Druckmittel aufgefasst werden.”

 

Was aber aus unserer Sicht Fakt ist, dass die veränderte Weltwirtschafts- und Konjunkturlage sowie die Energiekrise auch für EDEKA/Bauerngut die geplante Investition mitten im Landschaftsschutzgebiet problematischer werden lassen. 

 

“Spannuth konnte auf Nachfrage unserer Zeitung noch kein Datum nennen, wann die erforderliche Baugenehmigung für das Hochregallager in Bückeburg voraussichtlich vorliegen wird. „Dafür gibt es noch zu viele Fragezeichen“, sagt die Unternehmenssprecherin. Man sei aber „in guten Gesprächen mit Behörden“.

 

Wir halten es für möglich, dass EDEKA/Bauerngut an der doch immensen Investition aufgrund der Konjunkturlage, dem Rückgang des Fleischkonsums und den weiter steigenden Energiekosten das Interesse verliert und sich mit dem übrigens genauso verkehrsgünstigen Standort Barsinghausen begnügt.

Nach dem langen Schweigen von EDEKA/Bauerngut, Rat und Verwaltung über die Sommerpause haben wir einen weiteren Newsletter herausgegeben, um Euch die uns bekannten Zwischenstände zum Verfahren zur Löschung des Landschaftsschutzes im Landschaftsschutzgebiete Bückeburg-West/Sandfurth und den Neubau eines Logistikzentrums der Firmen EDEKA/Bauerngut mitzuteilen. 

Wir verweisen noch einmal auf die vielfältigen negativen Folgen der geplanten Löschung und des gigantischen Neubaus. Erinnert sei auch daran, dass der Rat und die Verwaltung von EDEKA für den Fall der Realisierung des Vorhabens nicht einmal eine Arbeitsplatzgarantie für die dort vorhandenen 800 Arbeitsplätze ausgehandelt haben - geschweige denn ein Rückbaugarantie für das alte Fleischwerk, wenn denn wie von uns erwartet ein neues Fleischwerk südlich des geplanten Logistikzentrums entstehen sollte. 

Daneben ist ein weiteres Thema in Bückeburg akut geworden, welches die prächtigen Linden in der Fußgängerzone Lange Straße betrifft, in in dem sich Rat, Bürgermeister und Verwaltung ähnlich rücksichtslos gegen Mensch und Natur verhalten, in dem sie die gesunden Linden komlett abholzen lassen wollen. Dies geschieht offensichtlich auch, um 90 % Zuschüsse  aus einem Programm der niedersächsischen Landesregierung namens "Perspektive Innenstadt" zu erhalten. Dort geht es darum, die Folgen der Corona-Pandemie für die Innenstädte zu mildern. Das Abholzen gesunder Großbäume steht nicht im Maßnahmenkatalog des Programms. Auch hier haben wir einen eindeutigen Standpunkt zum Erhalt aller Linden. Die Wurzelsanierungen und Baumscheiben-Erweiterungen, die vorher geplant waren, sollen realisiert werden. 

Newsletter Nr. 4 zum Download

 

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Das Schaumburger Wochenblatt veröffentlichte heute den nachstehenden Artikel. Zur Standortfrage an der Kreuzbreite hat der Bürgermeister dem Wochenblatt ein Schreiben des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr vorgelegt, welches von uns noch sorgfältig zu prüfen wäre. Auch die Bundeswehr hat sich an die bestehenden gesetzlichen Grundlagen wie das Luftverkehrsgesetz zu halten; sie hat auch eine Bebauung der Flächen an der Kreuzbreite keineswegs vollständig ausgeschlossen. 

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Pressemitteilung

Wohin mit dem Logistikzentrum?

 

‘Wir lieben Bückeburg’ fordert neue Verhandlungen mit EDEKA-Bauerngut.

 

Die Bürgerinitiative spricht im Namen von 856 Bückeburgern, die in der Petition gegen den geplanten Neubau eines Logistikzentrums im Landschaftsschutzgebiet gestimmt haben. Es besteht aktueller Gesprächsbedarf mit EDEKA-Minden/Hannover. Dabei geht es darum, einen geeigneten Standort im Bereich vorhandener Gewerbegebiete zu finden und verbindliche Garantien der Firma für Standort und Arbeitsplätze zu erreichen. Daher fordert die Initiative den Bückeburger Stadtrat und die Verwaltung auf, das Verfahren zur Teillöschung des Landschaftsschutzgebiets auszusetzen, bis diese grundlegenden Fragen im Interesse der Stadt Bückeburg, ihrer Bürger und der BAUERNGUT Arbeitnehmer geklärt sind. Dies ist dringlich, zumal der Rat der Stadt mit den klaren Statements von CDU/die Grünen/FDP/BfB, Freie Wähler und von SPD/Linke weitere Teillöschungen von Landschaftsschutzgebieten (z.B. für Erweiterungen oder Verlagerungen der Produktion) generell oder zumindest für diese Legislatur (SPD/Linke) ausgeschlossen hat.

Wir lieben Bückeburg schlägt vor, die landwirtschaftlichen Flächen, die östlich an das Gewerbegebiet Kreuzbreite angrenzen bis hin zur Stadtgrenze als neues Gewerbegebiet zu überplanen. Dort wäre immer noch ausreichend Platz für ein Logistikzentrum von EDEKA mit neuem Fleischwerk. Die Bebauungseinschränkungen aufgrund des Luftverkehrsgesetzes (LuftVG) bezogen auf den Flughafen Achum müssen ein solches Bauvorhaben nicht verhindern. Die Einflugschneise des Flughafens verläuft in Ost-West-Richtung und nicht quer dazu. Im äußeren Radius der Beschränkung gem. LuftVG § 12 können Bauten bis 25 m Höhe genehmigt werden. Das Logistikzentrum könnte durchaus mit dieser Maximalhöhe errichtet werden.

Da es in der Vergangenheit versäumt wurde, steht die Stadt Bückeburg jetzt in der Verantwortung, von der Firma EDEKA Gegenleistungen für die Ausweisung eines geeigneten Gewerbegebietes zu fordern. Hierzu zählt eine Standortgarantie, eine Arbeitsplatzgarantie und eine Rückbaugarantie des alten Fleischwerks für den Fall eines Neubaus. Die Bürgerinitiative erwartet, dass sich der neu gewählte Stadtrat und der neue Bürgermeister Axel Wohlgemuth dieser Aufgabe stellt und verbindliche Zusagen einfordert.

         

Eva v. Löbbecke

Pressesprecherin

 

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Ausschnitt aus dem Geoportal Schaumburg: überplanbare Flächen in gelb

 

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Simulation des Logistikzentrums von EDEKA mit einer Erweiterung durch ein neues Fleischwerk am Standort Kreuzbreite von Südost

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Simulation des Logistikzentrums von EDEKA mit einer Erweiterung durch ein neues Fleischwerk am Standort Kreuzbreite von Südwest

 

Video der Simulation auf der Basis von Google Earth